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Geschichte
Reichsprogromnacht 1938

Ausschnitte aus einem Text zum:
60. Jahrestag der Reichspogromnacht
aus: /CL/ANTIFA/AKTIONEN
Absender: VVN_BDA_HM_PYRMONT@LINK-H.comlink.apc.org

Vor 60 Jahren, in den Tagen vom 7. bis 10. November 1938, erlebte der antisemitische Terror im Nazideutschland einen grausamen Höhepunkt. Der Vorwand: das Attentat des Herschel Grynspan auf den deutschen Legationsrat von Rath in Paris.

Die Bilanz der Verfolgung

Durch organisierten "Volkszorn" wurden unter Beifall aus der deutschen Öffentlichkeit - 191 jüdische Gotteshäuser in Brand gesteckt, weitere 76 Synagogen vollständig demoliert. Ferner wurden 11 Gemeindehäuser, Friedhofskapellen und dergleichen in Brand gesetzt und weitere 3 völlig zerstört. Hinzukamen 815 zerstörte Geschäfte, 29 in Brand gesteckte oder sonst zerstörte Warenhäuser sowie 171 in Brand gesetzte und zerstörte Wohnhäuser. Diese Bilanz des organisierten antisemitischen Pogroms ist nicht vollständig ohne den Hinweis auf die etwa 30.000 jüdischen Menschen, die in den folgenden Tagen in die KZs Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt wurden.

Der Raub jüdischen Eigentums

Verbunden mit diesen Zerstörungen und der massenhaften Verfolgung war der Raub jüdischer Vermögen, besser bekannt unter dem Stichwort "Arisierung". Dabei bereicherten sich "arische" Geschäftsleute und Banken, Versicherungen und der faschistische Staat am Eigentum der deutschen Juden:

Große und kleine Unternehmer ließen sich die noch im jüdischen Besitz befindlichen Eigentumsanteile von Fabriken und Geschäften für einen lächerlichen Betrag, der darüber hinaus noch in die Staatskasse floß, übertragen.

Die Banken übernahmen lautlos jüdische Vermögenswerte, soweit sie nicht an den Staat abgetreten werden mußten.

Versicherungen verweigerten die Auszahlung von Ansprüchen aus Versicherungsverträgen und der Staat erhob eine kollektive" Buße" von 1,25 Mrd. Goldmark gegen alle deutschen Juden.

Die staatliche Aneignung in der "Arisierung" diente direkt der Kriegsfinanzierung. Damit bereitete dieser Akt der Judenverfolgung mittelbar den Vernichtungskrieg vor, - oder deutlicher formuliert - die deutschen Juden mußten indirekt das Programm zur Vernichtung des europäischen Judentums finanzieren.

Proteste gegen die Judenpogrome

Nur wenige in Deutschland protestierten gegen die Judenpogrome. Weder die gesellschaftlichen Eliten, noch die Amtskirchen oder die Männer des 20.Juli 1944 ließen dazu etwas verlauten. In Deutschland waren es meist politische Gegner des Naziregimes, die seit 1933 gegen die faschistische Politik aktiv waren, die hierzu ihre Stimme erhoben. Kommunisten verfaßten und verbreiteten Flugblätter unter der Überschrift "Gegen die Schmach der Judenpogrome". Vom Exil aus protestierten Heinrich Mann und Friedrich Stampfer (SPD). In den Konzentrationslagern erfuhren die internierten jüdischen Häftlinge von den bereits inhaftierten Widerstandskämpfern, den Trägern der "roten Winkel", oftmals große Solidarität, die ihnen das Überleben in dieser "Vorhölle des Todes" ermöglichte.

Erinnerung heute

Die Erinnerung an die Pogromnacht verweist darauf, daß mit dieser Aktion für alle sichtbar der letzte Schritt vor der systematischen, staatlich sanktionierten und betriebenen Vernichtungspolitik gemacht wurde: Juristisch "korrekt" für alle Richter und Verfolgungsorgane formulierte Hans Globke seinen Kommentar zu den Nürnberger Rassegesetzen. Man habe "nichts gewußt": das kann für die deutsche Bevölkerung des Jahres 1938 nicht gelten. Die Pogrome fanden in aller Öffentlichkeit statt. Niemand kann für sich in Anspruch nehmen, daß er gezwungen war, sich am jüdischen Eigentum zu bereichern, wie es die Deutsche Bank und mit ihnen Hermann J. Abs und andere in großem Stil betrieben haben.

Rassismus damals - Rassismus heute

In Kenntnis der Folgen des Rassismus damals, ist es heute demokratische Pflicht, jeden Rassismus, der sich zumeist nicht gegen Juden, jedoch gegen andere - zum Sündenbock für gesellschaftliche Versäumnisse - Gestempelte richtet, von Anfang an zurückzuweisen.

 

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