aus: SPD - Geschichte der deutschen Sozialdemokratie (s. Literatur):
"Kinderfreunde" und "Rote Falken"
Dem Wohl und der Förderung von Arbeiterkindern widmeten sich die "Kinderfreunde". 1924 konstituierte sich ein zentraler Verband unter Vorsitz des Reichstagsabgeordnten Kurt Löwenstein. Im Vorstand war der ADGB, die Arbeiterwohlfahrt, SPD und SAJ vertreten. Nach Löwenstein gehörten Kinder nicht nur der Familie, sondern auch "der gesamten Klasse". Die Arbeiterklasse müsse "bestimmenden Einfluß gewinnen auf das Wachstum ihrer Kinder ... aktiv werden in der Wahrnehmung ihrer heiligsten Interessen." Die Bourgeoisie raube der Arbeiterklasse ihre Kinder, jedes Kind, das "ideologisch festgehalten wird in den Werturteilen der Bourgeoisie, jedes Kind, dessen Hoffen und Sehnen sich in die Ergebenheit an die Mächte der Vergangenheit verliert, ist ein Verlust im Klassenkampf."
Fern solcher ideologischer Phraseologie entwickelten sich die Kinderfreunde zu einer sozialistisch-demokratisch orientierten Pfadfinderorganisation. In Zeltlagern ("Rote Kinderrepubliken") übten die blau uniformierten Kinder koedukativ soziales Zusammenleben, machten sich mit demokratischen Strukturen vertraut und genossen ein breites Freizeitangebot wie Sport und Bastelarbeiten. 1930 gehörten den Kinderfreuden 200.000 Kinder und Eltern an; 4.500 Gruppen existierten in fast 800 Gemeinden. Kurze Zeit, von 1928-1930, waren sie sogar als staatlich geförderte Jugendpflegeorgansation anerkannt.
Bis 14 Jahre "Roter Falke" bei den Kinderfreunden, konnten die Jugendlichen ab 14 der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) beitreten.
Die "Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ)"
Die SAJ (Sozialistische Arbeiterjugend) war aus dem Zusammenschluß des Verbandes der Arbeiterjugendvereine und der Sozialistischen Proletarierjugend der USPD hervorgegangen. Die aus der (M)SPD kommenden Jugendfunktionäre wie Erich Ollenhauer verstanden ihre Arbeiterjugendvereine als romantisch-idealistische und nationale, staatsbejahende Kulturorganisationen. Dies stieß innerverbandlich auf Opposition, die durch die neuen USPD-Jugendlichen Unterstützung erhielt. Die weitere Verbandsgeschichte war von diesem Links-Rechts-Gegensatz geprägt. Die Führung der SAJ bemühte sich in der Folgezeit, loyal und unkritisch die Linie des Parteivorstandes zu unterstützen und linke oppositionelle Kräfte unter dem Beifall der Parteiführung auszuschließen.
Auch die von Ollenhauer herausgegebene Zeitschrift "Arbeiterjugend" war vorstandstreu und unterdrückte jegliche Kritik. Die rigoros-autoritäre Verbandsführung trug wesentlich dazu bei, daß sich jüngere Menschen kaum noch gewinnen ließen. Die Mitgliederzahlen der SAJ halbierten sich von 1924 auf 55.000 gegen Ende der Weimarer Republik.