Musizieren, Singen, Spielen, Basteln, Tanzen und Lesenachmittage waren feste Bestandteile der wöchentlich 1-2mal stattfindenden Gruppennachmittage. Dabei sollten Gemeinschaftsspiele, soziales Verhalten fördernde und bildende Spiele einen Vorrang gegenüber Konkurrenz- und bloßen Unterhaltungsspielen haben, Bastelarbeiten sollten nicht um ihrer selbst willen, isoliert und für den Eigenbedarf, sondern möglichst gemeinsam angefertigt und für einen gemeinsamen Zweck hergestellt werden, z.B. zum Schmuck des Gruppenraums, für Basare, um dadurch die Arbeit zu finanzieren oder auch für Solidaritätsaktionen, wie die Herstellung von Spielzeug für Kinder streikender oder erwerbsloser Arbeiter.
Bei den beengten Wohnverhältnissen, wie den meistens unbefriedigenden Gruppenräumen, waren selbstverständlich auch Spiele im Freien ein wichtiger Bereich. Schwimmen, Ball- und Geländespiele, mit Themen aus der Geschichte der Freiheits- und Klassenkämpfe - z.B. Bauernkrieg, Rote Feldpost - gehörten zum Programm.
Einen besonders wichtigen Stellenwert in der Falkenpädagogik hatten die an den Wochenenden stattfindenden Ausflüge, Wanderungen und Fahrten. Kurt Löwenstein meinte: "Wir sehen in der Kultur des Wanderns eine weitere Reaktion gegen die Verödung durch den lndustrialismus."(1O) Die Forderung zu wandern, der Schrei der Kinderfreunde nach Licht, Luft und Sonne war eine ganz wichtige sozialhygienische und gesundheitspolitische Maßnahme für Arbeiterkinder, doch das war nicht der einzige Grund. Die Fahrten, das Gemeinschaftserlebnis, das Aufeinanderangewiesensein, aber auch die Aufregung, nachts nicht zu Hause, sondern im Zelt, der Jugendherberge oder einem Naturfreundehaus zu schlafen,
ist in der Erinnerung ehemaliger Falken ein SchIüsselerlebnis. Daß Jungen und Mädchen nicht nur in den Gruppen zu Hause, sondern auch in den Zelten gemeinsam waren, gehörte zu den unabdingbaren Grundsätzen der Falkenpädagogik. Zu Fahrten brachte jeder von zu Hause mit, was dort entbehrt werden konnte. Unterwegs wurde dann aus Brühwürfeln, Wurst, Gemüse, Kartoffeln "Schlamm" gekocht, alles im großen Topf, und es schmeckte natürlich herrlich.
Die Bedeutung des Wanderns reichte jedoch darüber und über das Kennenlernen der Natur, das Fahrplan- und Kursbuchlesen hinaus. Das Motto war: "Wir wandern nicht zur Lust allein, wir wandern, um einst stark zu sein." Die Erlebnisse und Erfahrungen schlugen sich in Gruppentagebüchern, Berichten und Lichtbildervorträgen nieder. Die Wanderungen waren gleichzeitig Agitationsmittel. Fahnen und Wimpel wurden mit auf Fahrt genommen, an den blauen Kitteln oder Kleidern erkannte man die Falken sofort. In den Dörfern, auf dem Marktplatz wurde häufig Kontakt zu den Arbeiterorganisationen aufgenommen und entlang der Wanderwege neue Gruppen angeregt.
Unterwegs wurden ganz bewußt auch Kampflieder, Lieder der Organisation gesungen oder Wahlagitation betrieben. "Soziales Wandern" wurde vielfach praktiziert; man besichtigte Fabriken und Handwerksbetriebe, es wurde hingewiesen und diskutiert über Erscheinungen der privat-kapitalistischen Gesellschaft, wenn man z.B. an einem "Privatwald" vorbeikam oder darüber, ob es denn wirklich der Bischof oder Ritter waren, die den Dom oder die Burg erbauten.
Ohne Musik waren die Gruppenstunden der Falken kaum denkbar. Sie begannen und endeten in der Regel mit einem Lied, wobei die Kinder sich zu einem Kreis zusammenstellten und sich an den Händen faßten. Es gab ein buntes Liederrepertoire für alle Gelegenheiten; von Tanz- und Spielliedern, über Volkslieder, Chansons zu Wanderliedern. Die Kampf-, Agitations- und Gesinnungslieder der Arbeiterbewegung wurden bei Gruppenfeiern, Demonstrationen und anderen besonderen Gelegenheiten gesungen. Die Kinderfreunde schufen sich jedoch auch ihre eigenen Lieder, die auf kindgemäße Weise sehr sinnlich das Befinden, die Hoffnung und Bedürfnisse der Falken ausdrückten.