Programmentwurf
"Perspektiven statt Parolen" - Reihe politischer Seminare 1999
Ein Zitat aus einem Lexikon katholischer Pfadfinder:
"Politisches geschieht rings um Dich: der neue Lehrplan an der Schule, die
Stillegung einer Straßenbahnlinie, der Bau der Stadthalle, die
Einführung von Pfandflaschen, die Genehmigung des
Fast-Food-Restaurants, der Bau eines Fahrradweges - das alles sind
politische Vorgänge, die auch Dein Leben betreffen. Die
Entscheidungen werden von Gremien gefällt, die in einer
Demokratie gewählt werden. Natürlich kann es niemand allen
recht machen, trotzdem müßte jede Entscheidung - nach dem
Stand der Erkenntnis - dem Wohl der Allgemeinheit dienen. Den
'Stand der Erkenntnis' kannst Du beeinflussen: informier
Dich, sprich mit Politikern, schreibe Leserbriefe, beteilige Dich an
Bürgerinitiativen und Nachbarschaftshilfen ..."
[mawa: querweltein ISBN 3-927349-08-9, S.407]
Das Jahr 1998 war geprägt durch die Wahlkämpfe zu den
Bundes- und Landtagswahlen. Erschreckend trat dabei zutage,
wie wenig gerade Kindern und Jugendlichen von den Grundregeln der
Demokratie und ihrer Institutionen wahrnehmen und verstehen.
Politik gilt ihnen als ein "Geschäft", das weit entfernt und nach von ihnen
nicht durchschaubaren Regeln arbeitet. Die Gesellschaft und insbesondere
auch die Schulen unternehmen zu wenig, um Kindern und Jugendlichen Einblick
und Verständnis in die Grundregeln der Demokratie und ihrer Institutionen
zu vermitteln.
Es ist aber nicht so, daß sich Kinder und Jugendliche nicht für
"das Politische" an sich interessieren. Diese These wird unterstützt durch
die auch in unserer Region zunehmende Durchdringung der Jugendkulturszene
durch rechtsextreme Einflüsse. Und dies insbesondere dort, wo umfassende
andere Angebote im Freizeitbereich für Kinder und Jugendliche fehlen. Vor
Jahren mag es noch nur "chic" gegolten haben, zur rechten Szene zu gehören
und war Ausdruck von Freizeitverhalten und das trifft sicher auch heute noch
auf viele jugendliche "Mitläufer" zu. Wer aber lange genug der Szene
angehört, bezieht ein durch geschichtliche Kenntnisse geprägtes und quasi
geschlossenes, wenn auch diffuses Weltbild. Die Szene politisiert sich, was
seinen Ausdruck auch im massiven Wahlkampf der rechtsextremen Parteien findet.
Die Wahlergebnisse, auch in unserer Region zeigen zwar, das der übergroße
Teil der Bevölkerung dumpfen Parolen nicht folgt. Bei den Erst- und
Jungwählern erreichten die Rechtsextremen aber einen höheren Stimmanteil.
Es ist ein Irrglauben, zu hoffen, daß Problem würde sich von "selbst" lösen.
Die ganze Gesellschaft ist und bleibt gefordert. Auch Kinder- und
Jugendverbände können und sollten daran mitwirken. Sie vermitteln
demokratische Werte durch ihre demokratische innere Struktur. Sie können
politisches Wissen kind- und jugendgerecht vermitteln. Sie können
politisches Handeln anschaulich vor Ort einbringen.
"Perspektiven statt Parolen" heißt die Reihe politischer Seminare, die uns
etwas vom nötigen theoretischen Hintergrund und praktischem Handwerk dabei
vermitteln soll.
Im ersten Halbjahr 1999 sind folgende Seminare geplant:
- "Politik vor Ort"
- "politische Kommunikation"
- "Rechtsextremismus"
Im zweiten Halbjahr schließen sich folgende Seminare an:
- "Die (ohn)Macht der Verbraucher"
- "Star Trek - sozialistische Vision?"
- "Linksextremismus"
Die Reihe politischer Seminare soll auch in den nachfolgenden Jahren
qualifiziert fortgesetzt werden.
Jeweils ein Wochenende wird zur Vertiefung in die Themen genutzt. Den
Teilnehmern wird vorab ein Reader mit aktuellen Pressetexten aus der Region
und Literaturangaben zugesandt, sowie Thesen als Fragen zur Diskussion
gestellt. Es soll so konkret wie möglich an der Lebenswirklichkeit der
Teilnehmer gearbeitet werden. Abstrakte und abgehobene theoretische
Abhandlungen werden vermieden. Am Wochenende selbst wird jeweils ein
Einstiegsreferat vorgetragen und dabei Wert auf multimediale Anschauung
gelegt, etwa durch geeignete Videofilme. Die Teilnehmer sollen sich den
Zugang zum Thema z.B. in Arbeitsgruppen zu den Thesen selber erschließen
und erste Ergebnisse vortragen. Nach dieser Einführung folgt das Hauptreferat
durch jeweils einen kompetenten Gast. Daran soll sich eine Diskussion
anschließen, die zum einen Antworten auf die vorangestellten Thesen sucht,
als auch konkrete Handlungsmöglichkeiten für die Teilnehmer selber aufzeigt.
Zu jedem Seminar gehört neben dem formellen Teil ebenso der informelle. Bei
Sport, Spiel und gemeinsamer Zubereitung des Essens lernen sich die
Teilnehmer untereinander kennen, können sich vom Thema entspannen oder sich
in kleineren Runden zum Thema weiter austauschen.