Die Pinnwand
Nummer 8 Herbst 98 Seite 4
Rundbrief der Sozialistischen Jugend - Die Falken im Kreisverband Bad Doberan
HELFER
Manchmal hört man den Begriff "Betreuer", "Erzieher" oder "Aufpasser". Bei den Falken gibt es das alles nicht. Gemeint sind jeweils unsere "Helfer". Durch ihre verantwortungsvolle Arbeit werden Fahrten wie nach "Sumava" oder "Finnland" erst möglich. Aus dem bei den Falken traditionellen Begriff "Helfer", wird in der Sprache der Gesetze der "Jugendgruppenleiter". Der Staat fördert das ehrenamtliche Engagement, fordert aber auch gleichzeitig eine Mindeststandard in der Ausbildung.
Dazu gibt es entsprechende Richtlinien. Werden diese Richtlinien erfüllt, gibt es ein offizielles Zertifikat in Form eines Ausweises bzw. einer "Card". Künftig soll es sogar möglich werden, mit dieser "Card" billiger mit der Bahn zu fahren und viele andere Vergünstigungen in Anspruch zu nehmen!
In den nächsten Tagen verschickt Petra "Jugendgruppenleiterausweise" an die 50 "Helfer" unserer Fahrten. Ausgestellt sind diese Ausweise durch den "Kinder- und Jugendring des Landkreises Bad Doberan", stellvertretend für das Jugendamt.
Auf diesem Wege ein herzliches Dankeschön für Euren Einsatz, der vielen Kindern und Jugendlichen tolle Ferienerlebnisse erst möglich gemacht hat.
Gleichzeitig macht Eurer Einsatz auch die Falken stark. Es wäre toll, wenn Ihr als "Helfer" und vielleicht auch als "Mitglied" weiterhin unserer Gemeinschaft treu bleibt!
1999 werden wir erneut Helferschulungen anbieten. Und weil uns gut ausgebildete Helfer so wichtig sind, ist das Angebot erneut komplett kostenlos! In den letzten Jahren wuchsen die Teilnehmerzahlen auf über 60 für die Wochenenden an. Das wollen wir künftig verteilen und dadurch die Schulungen besser an die einzelnen Sommerlager und -fahrten anpassen und qualitativ weiter steigern.
Mit dabei ist wieder ein Grundkurs in Erster Hilfe mit Zertifikat, wie er auch für den Führerschein gebraucht wird. Und für die Helfer, die diesen Grundkurs schon 1998 ablegten, wird es einen speziellen Aufbaukurs geben. Dieser wird exakt angepaßt an unsere Bedürfnisse in Zeltlagern und Jugendfahrten.
Etwa Anfang des nächsten Jahres wird die Ausschreibung der Helferschulungen verschickt. Aber schon vorher können alle Interessenten praktische Erfahrungen auf unseren Fahrten sammeln. Auf der Anmeldung kann man das durch den Eintrag "Junghelfer" ab 14 Jahren oder "Helfer" ab 16 Jahren im Feld "Besonderheiten" kennzeichnen. Also meldet Euch an!
LANDESKONFERENZ
Am zweiten Septemberwochenende fand die 5. "Landeskonferenz" der Falken Mecklenburg-Vorpommern statt. Alle zwei Jahre kommen dazu 30 Delegierte aus allen Kreisverbänden des Landes zusammen um gemeinsam durch Beschlüsse und Wahlen in verschiedene Funktionen, den Landesverband voranzubringen. Das klingt alles etwas hölzern und um hier durchzusehen, sollte man schon etwas in das Innere der Falken geschnuppert haben.
Die Ereignisse des Wochenendes betreffen aber nicht nur "Insider", sondern unsere Arbeit als Kreisverband im Ganzen. Unsere gute Arbeit der letzten Jahre war es, die unsere Mitgliederzahl unablässig steigen ließ. Wir stellen mehr Mitglieder, als alle anderen 6 Kreisverbände zusammen.
Allein in diesem Sommer bieten wir 2 bis 3 mal so vielen Kindern und Jugendlichen tolle Fahrten und Zeltlager, wie der Rest des Landesverbandes.
In unserem Kreisverband achten wir auf Kameradschaft und eine gehörige Portion Spaß. Andere Kreisverbände verabschiedeten sich weitgehend von der Arbeit mit Kindern und legen mehr Wert auf scheinbar politische Aktionen. Es dauerte nicht lange, bis wir als der "Fahrten- und Computer-Kreisverband" erst belächelt und bald auch geächtet waren.
Doch zurück zur Landeskonferenz. Wir stellten 13 der 27 Delegierten. Unser Anliegen war es, die Hand zu einer künftig besseren Zusammenarbeit aller Kreisverbände zu reichen. Zuerst schien alles recht harmonisch zu verlaufen. Zwar gab es bei den Debatten und Abstimmungen hin und wieder Unterschiede, aber das ist in einem lebendigen Verband normal. Mit 21 Stimmen gegen 5 Nein und 1 Enthaltung trugen wir die Wahl der neuen Landesvorsitzenden Manuela Görg mit. Es ist sogar wahrscheinlich (Wahlen sind grundsätzlich geheim), das alle Gegenstimme aus ihrem eigenen Kreisverband stammen. Selbst auf Kandidaturen für die beiden Stellvertreter verzichteten wir, trugen die Wahl von Steffen Wichmann und Frank Sternitzke mit.
Doch als wir wenigstens einen Sitz im fünfköpfigen Landesvorstand mit Michael beanspruchten, wurden wir gnadenlos von der Mehrheit abgelehnt. Mit 14 gegen 13 Stimmen zog Uwe Burkhardt in den Landesvorstand ein. Die Wahl zum letzten Sitz im Landesvorstand wurde dann zum vorläufigen Tiefpunkt der Landeskonferenz. Christin Neltner, seit Jahren bei uns im Kreisverband aktiv, distanzierte sich öffentlich und in schäbigster Weise von uns. Gröllender Beifall ihrer neuen Freunde und entsetztes Schweigen bei unseren Delegierten. Mit 14 Ja, 9 Nein und 4 Enthaltungen wurde sie schließlich gewählt.
Menschlich zutiefst enttäuscht, ja wie gelähmt erlebte ich die folgenden Ereignisse. Ich erwachte erst, als insbesondere manche Delegierten und Mitglieder des Kreisverbandes Rostock, durch Christins Verrat gestärkt, verbal ein Kesseltreiben auf unsere jüngsten Delegierten begannen. Im Laufe der hitzigen Debatten meldeten sich fast alle unsere Delegierten persönlich zu Wort und wiesen den miesen Angriff zurück. Im Anschluß verließen wir geschlossen die Landeskonferenz.
Das ist meine persönliche Sicht. Ich bitte daher Euch alle, mit unseren Delegierten zu sprechen und sie nach ihrer Sicht zu befragen! Uns vertraten:
André D.,
Christine D.,
Conny F.,
Friederike D.,
Maria H.,
Martin W.,
Michael W.,
Nicole "Rambo" H.,
Peter H.,
Petra R.,
Philipp D.,
Ronny Z.,
und ich.
Welche Schlußfolgerungen sind zu ziehen?
1. Es gehört Mut dazu, sich gegenüber anderen Kreisverbänden zu uns zu bekennen. Wer das nicht kann oder möchte, der soll jetzt gehen.
Ich habe Verständnis für diese Entscheidung. Ich habe aber kein Verständnis dafür, sich aus allen Angeboten die Perlen herauszupicken und sich später gegen uns zu wenden.
2. Es ist schwieriger, sich nicht im Wind zu biegen. Zusammenarbeit mit dem Rest des Landesverbandes kann es auf der vorhandenen Basis in keiner Form geben. Unsere Hand wurde ausgeschlagen.
3. Wir bieten zwar weiterhin ein willkommenes Feindbild, aber nur zu bald wird der Streit im Rest des Landesverbandes wieder untereinander stattfinden. Mindestens vier Fraktionen bekämpfen sich dort. Laß sie sich doch untereinander beharken. Wir werden ja sehen, was dabei herauskommt.
4. Wir suchen und gehen weiterhin unseren eigenen Weg, ohne uns einzuigeln.
Dabei können wir uns auf die gute Zusammenarbeit mit Vereinen, Verbänden
und Menschen aus unserer Region stützen. Dabei werden wir Bewährtes fortsetzen, wie unsere Ferienfahrten, Wochenendfreizeiten und Schulungen.
Manch einer sollte jetzt zum Schritt zur Mitgliedschaft ermutigt werden.
Bring Dich ein!
5. Wir werden aber auch neue Wege beschreiten, wie es sich mit den "Wanderfalken", der "Osterschule" auf Bornholm und der politischen Seminarreihe "Perspektiven statt Parolen" andeutet. Hier wird es um die gute Verbindung von Praxis und Theorie gehen. Wir müssen unsere Bildungsarbeit verstärken.
6. Um unseren eigenen Anspruch an Kinder- und Jugendarbeit zu behaupten und auch, um uns künftig im Landesverband besser durchzusetzen, werden wir im März einen handlungsfähigen Kreisvorstand wählen. Rechtzeitig sollten wir alle schon jetzt nach den geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten suchen.
7. Im Landesverband zählen Eigenschaften wie Kameradschaft, Verläßlichkeit oder gar Freundschaft leider nichts. Dort geht es viel weniger, wie die vordergründigen Sprüche vermuten lassen, um Kinder- und Jugendarbeit oder um Inhalte. Hier kann sich nur behaupten, wer vor allem rhetorisch gut geschult ist, selbstsicher und in endlosen Geschäftsordnungsdebatten gestählt auftritt. Unser "Defizit" hierbei werden wir energisch angehen und das, ohne uns schmutzig zu machen.
"jung, links, frei und Spaß dabei!"
In diesem Sinne
Freundschaft
Thomas
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