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aus: "Ostsee-Zeitung (OZ) lokal Bad Doberan" 24.01.2000
[über Veranstaltung am 22.01.2000]
Für soziale Gerechtigkeit Bewusstsein bilden
Aktionsbündnisse im Erfahrungsaustausch
Bad Doberan. Mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen und
Gesprächsrunden auf die Probleme in der Arbeitswelt und im sozialen
Bereich aufmerksam zu machen, dieses Ziel verbindet alle
Aktionsbündnisse aus Mecklenburg-Vorpommern, die sich am Samstag in
Bad Doberan trafen, gleichermaßen. Grund für das hiesige
Aktionsbündnis "Für Arbeit und soziale Gerechtigkeit", zu diesem
Erfahrungsaustausch einzuladen. Und Vertreter von Gruppen aus
Rostock und Schwerin kamen.
Das Bad Doberaner Bündnis findet seinen Ursprung im März 1997
mit einer ersten Montagsdemonstration für die Schaffung von
Arbeitsplätzen. Gegründet unter anderem von der Landtagsabgeordneten
Beate Mahr (SPD) und Pastor Andreas Timm beteiligen sich
inzwischen in dem losen Verband acht Gruppierungen, der Wohlfahrts-
und Gewerkschaftsverbände ebenso einschließt wie Parteien
und evangelische Kirche.
Eines zeichnete sich in allen Bündnissen ab: Die Mobilisierung
der Gruppen, die eigentlich betroffen sind, die "Arbeitslosen" und
"sozial Schwachen" - wenn man sie überhaupt als eine Personengruppe
so zusammenfassen will, ist häufig das eigentlich Komplizierte. Die
Ergründung dieses Phänomens, die Suche nach Möglichkeiten der
Einflussnahme für Veränderungen und eine mögliche Koordinierung bei
bestimmten Aktionen waren die Hauptanliegen der Zusammenkunft.
Wenn heute von Arbeit gesprochen wird, gibt es mindestens zwei
Aspekte, die damit einhergehen. Zum einen ist es eine Tätigkeit zur
Deckung der materiellen Bedürfnisse. Hinzu kommt aber ein weit
wichtiger und für die Erreichbarkeit der anzusprechenden Gruppe
tragender Gesichtspunkt, darauf machte vor allem Andreas Timm
aufmerksam. "Arbeit haben" ist notwendig verbunden mit Achtung und
Stellung in der Gesellschaft. Allein die Überwindung zum Bekenntnis
und die psychische Bewältigung von Arbeitslosigkeit fordert die Kraft
des einzelnen. Mutlosigkeit ist häufige Folge. Deshalb, darüber war
man sich am runden Tisch einig, sind diejenigen, die in Beschäftigung
sind, verpflichtet, Aufmerksamkeit und Empfindlichkeit des Themas in die
Politik, zu den sogenannten "Entscheidern", zu transportieren.
Die Frage nach dem "Wie?" regte das Interesse der Beteiligten.
Während in Bad Doberan der Zulauf zu den Demonstrationen zurückging,
von ursprünglich 500 waren es zuletzt 1998 nurmehr 50 Teilnehmer,
rückten thematische Diskussionen in den Vordergrund. In der
Vergangenheit unter anderem anlässlich des Natoeinsatzes im Kosovo
"Frieden - leicht gesagt, schwer getan" oder aber "Halt dich nicht
raus, sei dabei!". In Rostock versucht das "Bündnis Arbeit für alle"
die Koalitionsparteien der Bürgerschaft - PDS und SPD - an ihre
Grundsatzvereinbarungen im sozialen Bereich mit Anfragen zu hinterfragen.
Einhellige Ansicht: nachahmenswert.
Im Herbst treffen die Bündnisse mit dem Vorhaben, Thesen zur
"Arbeit und sozialer Sicherung" zu verfassen, zusammen.
K.H.