
SPD
Kommunalwahl 1994
Bad Doberan Rostock-Land Schwaan

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Liebe Bürgerinnen, liebe Bürger,
am 12.6.1994 stellen sich politische Parteien und Wahlbündnisse in unserem
Kreis dem Votum der Wähler.
Wir Sozialdemokraten treten mit dem Ziel an, stärkste politische Kraft zu
werden und unsere Grundforderungen nach sozialer Gerechtigkeit
durchzusetzen.
Mit unserem Wahlprogramm 1994 geben wir Ihnen die Politikangebote in die
Hand, mit denen wir die Weichen in unserem Kreis bis ins Jahr 2000 stellen
werden. Unserem Demokratieverständnis entspricht es, die Entwicklungen
unserer Region in freier Entscheidung gemeinsam mit den Bürgern
durchzusetzen und nicht von der Landesregierung lediglich verwaltet zu
werden.
Wir wollen für die Bürger Arbeit statt Arbeitslosigkeit finanzieren, für
Wohnraum und mehr Sicherheit sorgen, Bildung, Kultur und Sport sichern,
eine an den Bedürfnissen der Jugend ausgerichtete Jugendpolitik und die
Integration ausländischer Mitbürger. Achtung älterer Bürger und die
Anerkennung ihrer Lebensleistung ist unser gemeinsames Anliegen.
In den vergangenen Jahren haben die Kommunen, insbesondere im Osten
Deutschlands, durch einen falschen politischen Kurs von Bund und Land
erhebliche Beeinträchtigungen ihrer wirtschaftlichen, sozialen und
kulturellen Handlungsfähigkeit erfahren müssen.
Leistungsabbau in vielen Bereichen trifft aber vor allem die Bürger.
Deshalb steht für uns Sozialdemokraten die Funktionsfähigkeit und
finanzieile Handlungsfähigkeit der kommunalen Selbstverwaltung nach wie
vor auf der Tagesordnung.
Eine kluge und gerechte Finanzpolitik ist nicht nur in Bund und Ländern
oberstes Gebot, sondern auch bei uns. Unser erklärtes Ziel ist deshalb
eine schlanke, effektiv arbeitende und bürgerfreundliche Verwaltung und
somit eine sinnvolle Verwendung der öffentlichen Mittel.
Politik als Dienstleistung am Bürger - dazu stehen wir Sozialdemokraten
mit unseren Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl und den anderen
Wahlen des Jahres 1994.
Unser Landratskandidat Thomas Leuchert ist Garant für die Durchsetzung
dieses Programms.
Bad Doberan, im März 1994
Wolfgang Gulbis
Vorsitzender SPD-Bad Doberan,
Rostock-Land, Schwaan
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1. Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Die wirtschaftliche Entwicklung und die des Arbeitsmaktes hängen in
unserem zukünftigen Kreis besonders ab von kleinen und mittleren
Gewerbebetrieben, Dienstleistungsunternehmen, dem Tourismus und einer gut
strukturierten Landwirtschaft. Zu beachten sind auch Tendenzen zu
Ansiedlungswünschen Rostocker Bürger. Wirtschaftsförderung und
Arbeitsmarkt sind in engem Zusammenhang zu sehen.
Unsere Ziele sind deshalb:
- Bestandspflege bestehender wettbewerbsfähiger Unternehmen und
Unterstützung bei Neuansiedeiung besonders im produzierenden Bereich
- Wirtschaftsentwicklung schwerpunktmäßig auf die von den zentralen Orten
ausgewiesenen Gewerbegebiete, insbesondere an den von Rostock ausgehenden
Entwicklungsachsen
- Nutzung der bestehenden Einrichtungen des Kreises zur
Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit den interessierten Kommunen
- Instrument Sparkasse mehr über den Kreis zur Wirtschaftsförderung nutzen
- Angebot an die Stadt Rostock zur Zusammenarbeit in allen wirtschaftlich
wichtigen Fragen auch der Werftindustrie mit ihren Zulieferern
- Kommunale Aufträge vorrangig an einheimische Firmen vergeben
- Einwirken auf die Landesregierung Fördermittelvergabe mehr der
landkreislichen Entscheidung zu uberlassen.
- Schaffung von hochwertigen Arbeitsplätzen durch Förderung von
Technologiezentren
- die Landwirtschaft als bedeutender Wirtschaftsfaktor in unserem Kreis zu
fördern. Unterstützung bei einer schnellstmöglichen Schaffung von
langfristigen Sicherheiten durch Klärung der Eigentumsverhältnisse und dem
Abschluß langfristiger Pachtvertrage im Interesse ansässiger
Wiedereinrichter und besonders konkurrenzfähiger Großbetriebe.
- Unterstützung der auf die Versorgung Rostocks mit Frischprodukten
orientierten Landwirtschaftsbetriehe und von Absatzgemeinschaften
- gemeinsam mit dem Arbeitsamt und Kommunen sinnvolle
landschaftspflegerische ABM zu initiieren
- enge Zusammenarbeit und Koordinierung von ABM-Projekten durch
Arbeitsämter, Kreisverwaltungen, Kommunen, örtliche
Landwirtschaftsbetriebe und Kurverwaltungen
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2. Wohnungspolitik
Das Recht auf ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum muß gegeben sein.
Davon sind wir heute leider weit entfernt. Wohnen darf nicht für immer
mehr Menschen zu einem unbezahlbaren Luxus werden.
Deshalb ist es unser Ziel:
- den sozialen Wohnungsbau au unterstützen
- den Städten und Gemeinden bei der Erhaltung qualitativ hochwertiger
kommunaler Wohnungen zu helfen
- die Erhaltung und Neugründung von Wohnungsbaugenossenschaften zu fördern
- die Schaffung von Wohneigentum, als Alternative au teueren privaten
Mietwohnungen zu unterstützen
- mit den Städten und Gemeinden bezahlbares Bauland bereitzustellen
- eine Zweckentfremdungsverordnung mit weitreichendem kommunalen Spielraum
durchzusetzen
- die Erhaltung des Wohngeldes einzufordern, um allen
Bevölkerungsschichten bezahlbaren Wohnraum zu erhalten
- die Verpflichtung, 15 % des Wohnungsbestandes der Kommunen zu
privatisieren - im Rahmen des Altschuldengesetzes - muß nach unten
korrigiert werden
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3. Gesundheit und Soziales
Wir sind die soziale Kraft im neuen Kreis. Daher gilt den sozial Schwachen
unsere besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung. Vorbeugende
Sozialpolitik kann drohende Notlagen verhindern. Den Menschen, die
hilfsbedürftig geworden sind, muß durch soziale Maßnahmen ein
menschenwürdiges Dasein ermöglicht werden. Eine gute Sozialpolitik leistet
einen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der inneren Sicherheit
Wir wollen deshalb:
- die gute, vorhandene medizinische lnfrastruktur erhalten und weiter
ausbauen
- eine gute Versorgung der Bürger unseres Kreises mit Therapiezentren
verschiedenster Art gewährleisten
- die letzten Chancen für die Ansiedlung von Reha-Einrichtungen nutzen, um
gleichzeitig die Schaffung weiterer Arbeitsplätze zu ermöglichen
- Einflußnahme auf sinnvolle, dem Arbeitsmarkt entsprechende
Qualifizierungsmaßnahmen und deren Unterstützung, um die
Vermittlungschancen für Arbeitslose zu erhöhen. Gleichzeitig muß ein
Beratungs- und Betreuungsangebot für Arbeitslose in ihrer gewohnten
Umgebung angeboten und die größtmögliche Ausnutzung von AB-Maßnahmen
erreicht werden.
- unseren älteren Mitbürgern vorrangig eine Betreuung in der eigenen
Wohnung zu gewährleisten
- daß die Integration von Behinderten, Sucht- und Aidskranken für alle zur
Selbstverständlichkeit werden muß. Kindergärten, Schulen, Verwaltungen und
Betriebe dürfen keine Schranken aufbauen.
- Forderungen von Familien nach ausreichendem Wohnraum und berahlbaren
Kinderbetreuungseinrichtungen unterstützen
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4. Jugendpolitik
Unsere Jugendpolitik soll sich an den Bedürfnissen und realen
Notwendigkeiten orientieren. Die Unterstützung und Betreuung unserer
Jugend ist der Grundstein für die zukünftige Sicherung unserer Demokratie.
Deshalb sollen:
- bürgernahe und jugendgerechte Erziehungs- und Lebensberatungsangebote
erstellt werden
- der Kontakt zwischen dem Kreis, den Schulen, dem Arbeitsamt und den
örtlichen Unternehmen zur Bereitstellung von Ausbildungsplätzen
intensiviert werden
- die Verwaltungen stärker als bisher Ausbildungsplätze bereitstellen
- die Jugendarbeitslosigkeit bekämpft werden
- die kulturellen und Freizeitangebote wiederbelebt werden
- die Ausbildungs- und Beschäftigungsgarantie für Jugendliche umgesetzt
werden, um ihnen eine Lebensperspektive aufzuzeigen
- die Eigeninitiativen von Jugendlichen unterstützt und sie an
Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden
- Wir alle sind verantwortlich, Orientierungshilfe zu leisten: die
Jugendlichen selbst, die Eltern, die Schule, die Gewerkschaften, die
Kirchen, die Vereine und Verbände.
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5. Tourismus, Verkehr und Umwelt
Der Ausbau des sanften Tourismus als Wirtschaftszweig, stellt einen
wichtigen Faktor in der Entwicklung unseres Kreises dar. Deshalb gilt es,
die Bewahrung der natürlichen Lebensgrundlagen als Notwendigkeit und
Markenzeichen zu erkennen und zu erhalten. Ein darauf abgestimmtes und
zukunftsorientiertes Verkehrskonzept muß Bestandteil der weiteren
Entwicklung sein.
Deshalb wollen wir:
- touristische Attraktionen erhalten
- die Förderung des ÖPNV als Alternative zum Individualverkehr und zur
Umweltentlastung
- die Anbindungen der Gemeinden an die überörtlichen Verkehrsverbindungen
- die vorrangige Sanierung des vorhandenen Straßennetzes und den Bau von
Ortsumgehungen
- die Einbeziehung der Ökologie in den Kreisentwicklungsplan
- Regelungen zur Verminderung der Umweltbelastungen durch den
Fremdenverkehr
- die Verbesserung der Abwasserbehandlung, um die Belastung der
natürlichen Gewasser zu verringern
- die konsequente Umsetzung des Abfallwirtschaftskonzeptes, also die
Priorität von Vermeidung und Verwertung und Überprüfung der bisherigen
Entscheidungen und Konzepte
- die Umweltbelastung reduzieren durch Aufklärung der Bevölkerung, des
Handwerks und Gewerbes
- den Aus- und Neubau des Rad- und Wanderwegenetzes
- den kritischen Umgang mit Großprojekten
- landschaftstypisches und umweltverträgliches Bauen
- die Verbesserung des Übernachtungsangebotes vorrangig durch Sanierung
vorhandener Altbauten. Danach soll die Bettenkapazität erst durch
Neubauten erhöht werden
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6. Innere Sicherheit
Die SPD sichert die Lebensqualität in unseren Dörfern, Gemeinden und
Städten. Ein besonderer Schwerpunkt ist hierbei die innere Sicherheit.
Innere Sicherheit und innerer Friede gehen uns alle an. Deshalb sind wir
alle aufgefordert, an einer neuen Sicherheit aktiv mitzuwirken.
Unsere Zeile sind deshalb:
- eine leistungsstarke, personell und technisch gut gerüstete Polizei, die
durch hohe Präsenz auch im ländlichen Bereich nicht nur Straftaten
vereitelt, sondern vor ihnen abschreckt
- Staatsanwaltschaft und Gerichte müssen entsprechend handlungsfähig sein
- neben Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichten sind Schulen, Jugend
-
und Kultureinrichtungen, Kirchen, Verbände, Medien, ist auch jeder
einzelne Bürger zur Mitarbeit aufgerufen
- die Vorbeugung muß im Bereich der Kinder
- und Jugendarbeit einsetzen,
das Problem der Gewalt und der Beginn einer Drogenszene in den Schulen muß
von Lehrern, Eltern und Politikern ernst genommen werden
- sinnvolle Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche sowie
Einrichtungen für soziales Lernen als Bestandteil gesellschaftlicher
Vorbeugung
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7. Frauen
Mittlerweile sind über 60 % der Arbeitslosen Frauen. Das ist auf die Dauer
unter Beachtung der Lebensumstände der Frau in der ehemaligen DDR ein
unhaltbarer Zustand. Besonders stark betroffen sind die Frauen im
ländlichen Raum.
Wir wollen deshalb:
- ABM an Frauen und an Männer analog zum Verhältnis der Arbeitslosenzahlen
vergeben
- Unternehmen, die Frauenförderung betreiben, besonders berücksichtigen
- die Gleichstellungsbeauftragte als Lobby und Ansprechpartnerin der
Frauen im Kreis stärken
- die Bereitstellung von Mitteln zur Förderung von ländlichen
Frauenprojekten forcieren
- die Schaffung von Begegnungsstätten für Frauen, vor allem in ländlichen
Bereichen fördern
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8. Bildung, Kultur und Sport
Mittel für Bildung, Kultur und Sport zeigen erst später ihre positive
Wirkung. Wer sie heute nicht fordert und einsetzt, fördert soziale
Spannungen, Untätigkeit der Jugend, Unzufriedenheit der Eltern und nicht
zuletzt die Suche nach radikalen Lösungen.
Deshalb wollen wir:
- einen unkomplizierten Zugang zu den Bildungsmöglichkeiten gewährleisten
- Museen, Theater, Kino, Galerien und Kunstvereine fördern
- die einzige Fachhochschule in unserem Kreis erhalten
- Organisatoren und Träger von Kultur und Bildung begleiten
- mit den Sportvereinen für deren Bestand kämpfen
- unter Mitarbeit der Sportvereine den Freizeitsport für Kinder und
Jugendliche fördern
- die Volkshoch- und Musikschule als Bestandteil unseres Kreises erhalten
und erweitern
- die Förder- und Behindertenschulen als einen Schwerpunkt der
Bildungspolitik erhalten
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9. Strukturfragen, Kreisverwaltung
Die vom Landtag beschlossene Kreisgebietsreform hat Tatsachen geschaffen,
aus denen wir im neuen Landkreis das beste machen müssen.
Dabei sind viele Fragen zu klären:
- Die SPD wird darauf drängen, daß über den Sitz der Kreisverwaltung und
über den Namen des Kreises den gesetzlichen Möglichkeiten entsprechend
erneut beraten wird. Dabei müssen Gesichtspunkte der Wirtschaftlichkeit
und der Bürgernähe im Vordergrund stehen.
- Für entfernt wohnende Bürger mit ungünstiger Verkehrsanbindung zum
Kreissitz wird durch Konsultationspunkte und durch Verlagerung von
Einzelaufgaben der Kreisverwaltung in die Ämter eine größere Bürgernähe
hergestellt.
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letzte Bearbeitung: 25.05.1999