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[Falkenecke - bitte klicken] "politisch - Sozialismus"
Sammlung zum Begriff

Hier haben wir einiges aus alten und neuen Lexika oder Zeitungen zum Begriff gesammelt, zumeist unkommentiert aber interessant. Zu Wort kommen auch die Jusos, die SPD, die SED (DDR), die PDS und schließlich die "offizielle" Definition der Falken.
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Lexika

Sozialismus [zu sozial; franz. socialisme, erstmalig 1832; deutsch seit 1840] ... eine zusammenfassende Bezeichnung für die mannigfachen, unter sich sehr verschiedenartigen Bestrebungen und Lehren, die die liberal-kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung mit ihren Mißständen und Ungerechtigkeiten durch eine gerechtere Ordnung des menschlichen Zusammenlebens ersetzen wollen.

Der Neue Brockhaus

Sozialismus ist der Sammelbegriff für eine Vielzahl von Lehren und Bewegungen, die in unterschiedlichem Ausmaß bestehende Eigentumsverhältnisse ändern wollen und sich meist gleichzeitig gegen vorhandene Gesellschafts- und Herrschaftssysteme wenden. Entgegen dem radikalen Sozialismus (Kommunismus), in dem auch Privateigentum in Gemeineigentum überführt werden soll, will der gemäßigte nur die Produktionsmittel als Gemeineigentum ansehen. Der demokratische Sozialismus wendet sich scharf gegen den kommunistisch-totalitären Sozialismus.

mawa: querweltein ISBN 3-927349-08-9, S.407

Der Sozialismus (lat. socius; Genosse; 1832 in Frankreich auftretender Begriff, bis ins 20.Jh. gleichbedeutend mit Kommunismus) die Gegenbewegung zu Liberalismus bzw. Kapitalismus, erstrebt eine gerechte Eigentums- und Gesellschaftsordnung, Gleichberechtigung und Wohlstand auch für sozial schwache Klassen (Proletarier), allgemeinen Frieden und Völkerversöhnung. Durch Sozialreformen, Klassenkampf oder Revolutionen sollen diese Ziele erreicht werden.

dtv-Atlas zur Weltgeschichte, DTV München 1996, ISBN 3-423-03002-X, S.344

Sozialismus (lat.-fr.) der; -:1. (ohne Plural) (nach Karl Marx dem Kommunismus vorausgehende) Entwicklungsstufe, die auf gesellschaftlichen oder staatlichen Besitz der Produktionsmittel u. eine gerechte Verteilung der Güter an alle Mitglieder der Gemeinschaft hinziehlt. 2. (Plural selten) politische Richtung, Bewegung, die den gesellschaftlichen Besitz der Produktionsmittel u. die Kontrolle der Warenproduktion u. -verteilung verficht.

Duden - Das Fremdwörterbuch, Dudenverlag Mannheim Wien Zürich 1990

Sozialismus volkswirtschaftliche Lehre, die eine Lebens- und Wirtschaftsordnung unter stärkster Betonung der Gemeinschaftsidee erstrebt.

Heyne - Das neue deutsche Wörterbuch, Heyneverlag München 1996, ISBN 3-453-12754-4, S.863

Sozialismus [zu lat. socialis "gemeinschaftlich"], politische Lehre mit dem Idealbild einer Staats-, Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung, die im Gegensatz zum individualistisch orientierten Liberalismus auf den kollektiven Grundsätzen von Freiheit. Gleichberechtigung und Solidarität fußt. Darauf baut die politische Bewegung zur Herbeiführung dieser Zukunftsvorstellung durch die Neugestaltung der bestehenden sozialen Verhältnisse (staatliche Kontrolle der Wirtschafts- und Eigentumsstruktur, gesellschaftliche wie betriebliche Mitbestimmung, Mindestmaß an sozialer Sicherung, Internationalismus) auf.

Seit der Antike und dem Mittelalter kannte man vor allem über über religiöse und juristische Wertvorstellungen vergleichbares Gedankengut. Am Anfamg des 19. Jahrhunderts wurde der Sozialismus jedoch nach Aufklärung und Französischer Revolution von 1789 in Zusammenhang mit der einsetzenden Industriealisierung (Entfaltung der kapitalistischen Produktionsweise mit Entstehung der "sozialen Frage") zum kämpferischen Oberbegriff. Die intellektuellen und praktischen Experimente des sogenannten Vor- und Frühsozialismus (F. Babeuf, H. de Saint-Simon, C. Fourier, L. Blanc, R. Owen, W. Weitling, Moses Heß [*1812 +1875]) leisteten vor 1848 einen gewichtigen Beitrag zur Einführung eigentumsfreier genossenschaftlicher Produktions- und Konsumformen (genossenschaftlicher Sozialismus). Ihnen fehlte aber die genaue Analyse der zeitgenössischen, ökonomischen, wie gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie sie seit den 1840er Jahren von F. Engels und K. Marx ("Zur Kritik der politischen Ökonomie", 1859) als sogenannter wissenschaftlicher Sozialismus niedergelegt wurde (siehe Marxismus). Deren Modell erachtete einen Prozeß des Ringens um die "Diktatur des Proletariats" wegen der als spannungsreich prognostizierten wirtschaftlichen Entwicklung für unumgänglich. Dem Sozialismus wurde darin allerdings nur die Rolle einer Übergangsphase zwischen Klassengesellschaft (Kapitalismus) und klassenloser Gesellschaft (siehe Kommunismus) eingeräumt. In der Verbindung mit der umfassenden Herrschaft der mit einer staatlich-ökonomischen Bürokratie eng verzahnten Partei der Arbeiterklasse (nach Lenin die "Speerspitze des Proletariats") bildete dieses Axiom bis 1989/91 die Grundlage des sogenannten real existierenden Sozialismus der sozialistischen Staaten. Der anarchistisch geprägte libertäre Sozialismus propagiert dagegen die direkte revolutionäre Auflösung des Herrschaftsinstrumentes "Staat" zugunsten einer basisdemokratischen Selbstverwaltung frei assoziierter Kommunen (Rätedemokratie). Noch zu Lebzeiten Marx' entstanden aber im politischen Denken Stephan Borns (*1824, +1898) und F. Lassalles, im Revisionismus E. Bernsteins oder im Umkreis der Fabian Society kritische Alternativen für eine gewaltfreie und evolutionäre Ausbildung einer sozialistischen Ordnung. Auf ihnen beruht letztlich der demokratische Sozialismus, der reformistisch eingestellten sozialdemokratischen und sozialistischen Parteien. Dieser garantiert in den parlamentarischen Demokratien West-Europas die uneingeschränkten Grundrechte aller Bürger, verzichtet angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs nach 1945 unter teilweise erheblichen Abstrichen vom traditionellen Sozialisierungsprogramm aber auf die Überwindung des Kapitalismus (z.B. Godesberger Grundsatzprogramm der SPD 1959).

Die Faszination des Schlagwortes Sozialismus verdeutlichte nicht zuletzt dessen Verwendung und Mißbrauch über die unterschiedlichsten politischen Lager hinweh, etwa als christlicher Sozialismus (J. Wichern, A. Stoecker, Adam Stegerwald [*1874, +1945], "Bund religiöser Sozialisten in Deutschland", 1926) ebenso wie als nationaler Sozialismus (F. Naumann, O. Spengler, A. Moeller van den Bruck) und als "Kathedersozialismus" liberalbürgerlicher Sozialreformer von 1900 (G. Schmoller, L. Brentano).

Meyers Taschenlexikon in 10 Bänden, Meyersverlag Mannhein 1996, ISBN 3-411-20943-7
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Diverse

"Im Verlauf der letzten Jahrhunderte hat man begriffen, daß die Gesellschaft selbst eine Naturkraft ist, ebenso blind wie die anderen, ebenso gefahrvoll für den Menschen, wenn es ihm mißlingt, sie zu beherrschen ...
Die Beherrschung dieses Mechanismus ist für uns die Frage über Leben und Tod; ihn beherrschen heißt ihn dem menschlichen Geist, dem Individuum zu unterwerfen. Die Unterordnung der Gesellschaft unter das Individuum, das ist die Definition der wirklichen Demokratie, folglich auch des Sozialismus."

Simone Weil 1933 - französische Philosophin 03.02.1909 - 02.04.1943

"Lenin trägt die Verantwortung dafür, daß bis heute unter "Sozialismus" gemeinhin nicht Marx’ eher sozialdemokratisches Programm verstanden wird, sondern eine terroristische Diktatur.
Seinen Nachahmern, den Tyrannen des 20. Jahrhunderts, gelang es mit ihrer Herrschaft über Staatsgewalt und Massenmedien, ihre millionenfachen Mordtaten durch ideologische Phrasen zu verschleiern."

DER SPIEGEL 29/1999 in Das Jahrhundert des Kommunismus: Lenin und die Oktoberrevolution von Fritjof Meyer
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Sozialdemokratie

Im Wahlkampf wurde/wird der Sozialismus bisweilen zum Kampfbegriff. Zur Bundestagswahl am 19.11.1972 versuchten namenlose Geldgeber mit hunderten von Anzeigen die Wahlkampagne der CDU/CSU und deren Slogan "Freiheit oder Sozialismus" gegen die von Willy Brandt geführte SPD/FDP-Regierung zu unterstützen.

[Beispiel der Anzeigenkampagne gegen die SPD 1972]

Die SPD hielt dagegen, auch indem sie gegen diesen Kampfbegriff rechtzeitig immunisierte und mit einer Serie von 6 Anzeigen unter dem Titel "Erfolge von 109 Jahren Demokratischen Sozialismus" mutig konterte. Beispiel eins und Beispiel zwei Achtung, jeweils ziemlich große Bilddateien!

Die SPD gewann die Bundestagswahl mit ihrem besten je erzielten Ergebnis von 45,8 % bei einer Wahlbeteiligung von traumhaften 91,1 %. 1972 traten 156.000 Mitglieder, davon mehr als die Hälfte unter 30 Jahre in die SPD ein. Welchen Anteil daran die Kampagne zum "Demokratischen Sozialismus" hat, läßt sich nicht bestimmen. Doch es zeigt immerhin, wer um den Begriff kämpft, kann trotzdem/gerade Wahlen gewinnen.

Bildbeispiele aus: Albrecht Müller - Willy wählen ’72 Siege kann man machen. Plöger Verlag Annweiler 1997, ISBN 3-89708-100-8

SPD und Sozialismus ein Versuch der Grundwertekommission der SPD


Gerhardt Schröder, inzwischen Vorsitzender der SPD und Bundeskanzler, sprach im SPIEGEL 11.09.95 von: "Abschiedsschmerz vom demokratischen Sozialismus"


"Sozialismus streichen" Markus Meckel, 47, SPD-MdB und Ex-DDR-Außenminister, über die Programmdebatte seiner Partei

SPIEGEL (37/1999, S.19): Sollte die SPD in ihrem neuen Programm den Begriff "Sozialismus" tilgen?
Meckel: Ja, Sozialismus ist ein missverständlicher Begriff. Er taugt vielleicht für Debatten linker Theoretiker, aber nicht als Zielvorstellung für die SPD.
SPIEGEL: Die Forderung nach "demokratischem Sozialismus" ist doch SPD-Tradition.
Meckel: Die Partei muss sich mit dieser Tradition auch auseinander setzen und kann sich zu ihr bekennen. Die Menschen setzen heute aber Sozialismus mit DDR gleich, mit dem gescheiterten kommunistischen Regime. Es ist für eine Partei sinnlos, an einem komplett diskreditiertem Begriff festzuhalten, der immer erst erklärt werden muss.
SPIEGEL: Den Sozialismus wollen sie der PDS überlassen?
Meckel: Ja, so wird die Distanz zur PDS deutlich, die sich der DDR und dem gescheiterten System bis heute verbunden fühlt. Wir Sozialdemokraten sollen uns soziale Demokratie auf die Fahnen schreiben. Da weiß jeder, was gemeint ist.

"Ja zur Umverteilung" Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident, stellvertretender Vorsitzender der SPD und Vorsitzender deren Grundwertekommission, über die Programmdebatte seiner Partei

Vorwärts (10/1999, S.55): Im Papier der Grundwertekommission taucht der Begriff des demokratischen Sozialismus nicht mehr auf, obwohl er die Geschichte der Sozialdemokratie als Schlüsselbegriff durchzieht. Warum?
Thierse: Der Begriff Sozialismus ist durch die kommunistische Verwirklichungsgeschichte der sozialistischen Idee auf eine schlimme, tragische, blutige Weise beschmutzt. Wer heute den Begriff verwendet, muss erst so viel erklären, dass er kaum zur Sache kommt. Deswegen ist es sinnvoller, den Begriff der sozialen Demokratie zu verwenden.


was sagen die JUSOS (JungsozialistInnen in der SPD) ein Beispiel

Warum heute Sozialismus?
oder: Wofür eigentlich politisch arbeiten?

Die Jusos tragen in ihrem Namen den Begriff "Sozialismus", die SPD trägt in ihrem Programm den Begriff "Demokratischer Sozialismus", alle Welt spricht jedoch vom Untergang des Sozialismus, vom Sieg des Kapitalismus, vom "Ende der Geschichte". Warum heute noch "Sozialismus"? Hier die persönliche Meinung von "DREIST"-Redakteur Christoph Meyer. Er beginnt mit dem Grundmotiv für jede demokratische Politik: mit dem Humanismus.

Erstens: Humanismus und französische Revolution
Humanismus kann viele Motive haben, etwa Christentum, Nächstenliebe und so weiter. Für mich kommt er ganz … la Marx aus der Erkenntnis, "daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei" (Vorwort Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie). Daraus folgt dann bei Marx der kategorische Imperativ, "alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, geknechtetes, verächtliches Wesen ist" (ebd., ich will gerne zugeben, daß sich auch religiös-humanistische Motive o.ä. dafür finden lassen). Weltweit, aber auch bei uns ist dieses Ziel nicht erreicht, auch wenn die Menschheit dieses Ziel schon seit langem proklamiert hat. (Wenn jemand das Ziel für nicht erreichenswert hält, bitte, dann viel Spaß beim einsamen Weg zum Glück! Und viel Spaß beim Pflastern dieses Weges - womit?) Diese Idee kommt natürlich nicht erst bei Marx, sondern sie ist uralt (nachzulesen in: "Das Prinzip Hoffnung" von Ernst Bloch). Die ersten groß angelegten Versuche, sie in die Tat umzusetzen, waren die amerikanische und für mich vor allem die französische Revolution von 1789 bis 1794. "Freiheit, Gleichheit, Solidarität", das waren die Ideale, eben von der Idee her versprochen für alle Menschen. Das Ergebnis sah anders aus: zunächst Guillotine, dann napoleonischer Imperialismus, Kriege, Reaktion und schließlich die politische und gesellschaftliche Herrschaft des Besitzbürgertums. Damit bin ich beim nächsten Punkt angelangt:

Zweitens: Antithese: Ökonomie des Kapitalismus und globale Fragen (Ich spare hier jetzt ziemlich viel Geschichte aus, ich weiß.)
Freiheit, Gleichheit und Solidarität sind gleichzeitig die Grundlagen unserer heutigen Gesellschaft - und sie sind es auch wieder nicht. Formal sind sie anerkannt und in Würden, bilden den Grundkonsens unserer Ordnung. Formal können alle tun und lassen, was sie wollen, haben das gleiche Recht dazu - und solidarisch ist die Gesellschaft auch: Wozu gibt es Gewerkschaften, die Caritas und die Verfaßte StudentInnenschaft?! Nur die Realität ist anders, die Realität ist voller Zwänge: Grundlegend sind die ökonomischen Zwänge. Für die meisten sieht die Gegenwart (und für fast alle von uns auch die Zukunft) so aus, daß sie ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, ihre Selbstbestimmtheit und Freiheit in dem Maße aufgeben müssen, wie ihre Arbeit fremdbestimmt ist. Und die Arbeit wird nicht rational bestimmt, sondern nach den Profitgesetzen des Kapitalismus. Diese bewirken weitere Probleme: Die Gefahr sozialen Abstiegs, Arbeitslosigkeit, Konkurrenzideologie, Konsumrausch und so weiter. Das Patriarchat ist Hauptstütze des kapitalistischen Systems (Mama sorgt dafür, daß Papa wenigstens einen schönen Feierabend hat usw.). Mit der Produktionsweise zusammenhängend sind die globalen Probleme wie Umweltzerstörung, Unterentwicklung, Kriegsgefahr und Kriege. Die Lösung dieser Probleme hängt zusammen mit der Lösung der Frage, wie in die Anarchie des Weltmarktes eingegriffen werden kann. Dies legt sozialistische Konzepte nah. Der Weltmarkt heilt die Probleme nicht von selbst, die Art und Weise, wie der Weltmarkt funktioniert, zerstört gerade die Welt.

3. Synthese: Für westlichen und demokratischen Sozialismus
Der östliche oder Staatssozialismus war einseitig auf die Wirtschaft bezogen, ganz im Sinne einer falsch weiterentwickelten marxistischen Theorie. Falsch weiterentwickelt übrigens von beiden Richtungen der Arbeiterbewegung: Die Kommunisten errichteten die ökonomische "Diktatur des Proletariats" - sie warfen die formalen bürgerlichen Freiheitsrechte über Bord und schütteten damit das Kind mit dem Bade aus, sie verbanden einen (ökonomischen) Schritt nach vorn mit zwei Schritten zurück. Das östliche System war reaktionär, rückschrittlich. Die herrschende Strömung der Sozialdemokratie hielt an den Grundrechten fest, setzte aber die Feststellung, daß der Kapitalismus funktioniert und der Arbeiterklasse in den Metropolen einen Wohlstand bringt, gleich in die Kapitulation vor darüber hinausgehenden Emanzipationsgedanken um. Es kann nicht darum gehen, irgendwelche Gesellschaftskonstruktionen und Menschenbilder administrativ umzusetzen. Der westliche Sozialismus ist mehr als Ökonomie, als gleicher Konsum für alle! Die konsumtiven Bedürfnisse kann der Kapitalismus womöglich befriedigen, das Bedürfnis nach Demokratie, nach Selbstbestimmung, das (siehe DDR-Entwicklung) erst auf diesem hohen Niveau entspringt, nicht. Es geht um die wirkliche Durchsetzung der alten bürgerlichen Ideale Freiheit, Gleichheit, Solidarität für alle Menschen, darum, diese Gesellschaft an ihrem eigenen Programm zu messen. Von diesem revolutionären Humanismus ist auszugehen. Der Maßstab ist die individuelle Befreiung aller Menschen! Dieser komplizierte Begriff bedeutet ganz logisch, daß der westliche Sozialismus pluralistisch ist. Außerdem geht Befreiung über das rein Ökonomische hinaus (schließt es wohl in sich ein, aber geht über es hinaus!): Es geht um "Aufhebung von Entfremdung durch Profitgesetze, Patriarchat, Naturausplünderung, Produktionswahn, Elitedünkel der 'Ersten Welt', sei es in der Arbeit, zwischen den Geschlechtern und Rassen, in der Kultur, gegenüber der Natur, in zwischenmenschlichen Beziehungen u.a.m." (Mechtild Jansen). Sozialistische Tagespolitik muß bewußt in Hinsicht auf diese Ziele entwickelt werden. Alles andere führt zu dem bekannten stumpfen Tagesreformismus der SPD - wenn es zu diesem überhaupt reicht - siehe den Opportunismus von Innenminister Schnoor in der Abschiebungsdiskussion. "Sozialismus" ist allerdings ein schwieriger Begriff. Er klingt recht ökonomistisch und wird in der Bevölkerung mit dem im Osten abgelaufenen gescheiterten leninistischen Modell gleichgesetzt. Schadet uns dieser Begriff? Falsche Frage! Die verfehlte sozialistische Politik hat dem Begriff geschadet. Wir haben keinen besseren für unsere Zielsetzung. Und richtig ist weiterhin: Notwendig für den humanistischen Fortschritt (für den Erhalt der Belebbarkeit des Planeten, das ist das Gleiche) ist die (ganz weit gefaßt) demokratische Regulierung der Macht des Kapitals. Durch konkrete Politik müssen wir "Sozialismus" neu besetzen. Im Zentrum steht die Verwirklichung der Grundwerte Freiheit, Gleichheit, Solidarität für alle Menschen, im Zentrum steht die Eröffnung einer friedlichen, radikalökologischen Perspektive.

Christoph Meyer, "DREIST" ist die Zeitung von Kölner Jusos
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in der DDR

In der DDR wurde der Begriff deutlich enger gefaßt. Die Definitionen dienten als Rechtfertigung der Einparteienherrschaft der SED. Das damals offizielle Verständnis von "Sozialmus" der DDR und dem der Sozialistischen Jugend - Die Falken sind grundverschieden. Hier Beispiele:

Sozialismus, der (Gen_): auf der Grundlage der polit. Herrschaft der Arbeiterklasse geschaffene Gesellschaftsformation, in der die Produktionsmittel in gesellschaftliches Eigentum überführt sind, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt ist u. das Prinzip "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Leistungen" herrscht; erste Phase der kommunist. Gesellschaft (lat)

Großes Fremdwörterbuch, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1977

Der Sozialismus [franz.lat.] ist die erste oder niedere Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation. Er ist ein wichtiges Ziel im Kampf der revolutionären Arbeiterbewegung. Er wird dadurch gekennzeichnet, daß die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen beseitigt ist. Der Sinn des Sozialismus ist die ständige Verbesserung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus der Werktätigen als Ergebnis ihres eigenen Schöpfertums. - Im Sozialismus wird die politische Macht von der Arbeiterklasse ausgeübt. Unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei verwirklicht die Arbeiterklasse im Bündnis mit den anderen Werktätigen die Interessen des Volkes. Der Sozialismus beruht auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln in seinen beiden Formen, dem gesellschaftlichen Volkseigentum und dem genossenschaftlichen Gemeineigentum. Die Produktionsverhältnisse sind durch bewußtes Zusammenwirken, kameradschafliche Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe gekennzeichnet. Dadurch sind die Grundlagen für die politisch-moralische Einheit des Volkes gegeben, für die Entwicklung der Initiative und Aktivität aller Werktätigen und für die allseitige Entwicklung der Persönlichkeit. Ein Grundsatz der sozialistischen Gesellschaft lautet: "Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung". Der Marxismus-Leninismus ist die herrschende Ideologie im Sozialismus. Der Sozialismus existiert und entwickelt sich in der Gemeinschaft der sozialistischen Staaten und Völker: er gewinnt zunehmend Einfluß auf die internationalen Beziehungen und stärkt den Frieden.

Jugendlexikon Wissenschaftlicher Kommunismus, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1981
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PDS

was sagt die PDS (Partei des demokratischen Sozialismus)

PDS-Programm vom 29./31.01.1993

Der Sozialismus ist für uns ein notwendiges Ziel - eine Gesellschaft, in der die freie Entwicklung der einzelnen zur Bedingung der freien Entwicklung aller geworden ist. Sozialismus ist für uns eine Bewegung gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, gegen patriarchalische Unterdrückung, gegen die Ausplünderung der Natur, für die Bewahrung und Entwicklung menschlicher Kultur, für die Durchsetzung der Menschenrechte, für eine Gesellschaft, in der die Menschen ihre Angelegenheiten demokratisch und auf rationale Weise regeln. Sozialismus ist für uns ein Wertesystem, in dem Freiheit, Gleichheit und Solidaritaet, menschliche Emanzipation, soziale Gerechtigkeit, Erhalt der Natur und Frieden untrennbar verbunden sind.

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Gegner

Und was sagen die Gegner des Sozialismus:

"Linke Alchemisten"

So lebhaft ging es in unserer Republik schon lange nicht mehr zu. Kein Tag mehr ohne daß nicht irgend jemand, irgendwo für oder gegen irgend etwas auf die Straße geht! Erst waren es die Castor-Gegner, dann die Steinkohle-Kumpel und die Bauarbeiter. Diese Woche sind nun die Stahlkocher an der Reihe (siehe Titel Seite 56).

Kein Zweifel, die Dinge sind in Bewegung geraten. Der anschwellende Protestgesang zeigt, daß die Anpassungskrise dieses Landes an die neue globale Weltwirtschaft einem Höhepunkt zustrebt. Schnallen Sie sich an, liebe Leserinnen und Leser, es wird turbulent! Zur Entscheidung steht in den kommenden Monaten nicht nur die materielle Zukunft dieser und jeder Gruppe der Bevölkerung - nein, es geht ums Ganze. Es geht darum, welche Rolle Deutschland im nächsten Jahrhundert in der Welt noch spielen kann. Es geht um unseren Wohlstand, unsere Freiheit und Menschenwürde. Es geht um eine grundlegende ideologische Weichenstellung, die unser aller Zukunft für viele Jahre bestimmen wird.

Kaum je hat ein Politologe gründlicher danebengelegen als Francis Fukuyama, der nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus in Osteuropa verkündete, daß der Kapitalismus nun "alle konkurrierenden Ideologien" ein für allemal besiegt" habe. Von wegen "Ende der Geschichte"! Der Sozialismus mag realpolitisch abgewirtschaftet haben, geistig-ideell ist er offenbar nicht totzukriegen. Das hat gute Gründe. Sozialismus appelliert an elementare Kräfte im Menschen: an eschatologische Ur-Sehnsüchte, atavistische Horden-Instikte, an Neid, an das Bedürfnis nach Geborgenheit und an Ur-Ängste vor allem Unbekannten.

Bekommen diese Kräfte genügend Nahrung - und das ist in diesen ökonomischen und sozialen Umbruchzeiten an der Schwelle zu einem neuen Jahrtausend der Fall -, gewinnt der Sozialismus an Attraktivität, verfängt das pseudo-moralische Pathos und die Begriffsmaskerade linker Alchemisten. Wo Börsenkurse und Arbeitslosenzahlen im Gleichschritt steigen, wird "Kapitalismus pur" zum Schreckgespenst, läßt sich Globalisierung leicht zur "Falle", ökonomische Vernunft zum "Horror", Marktwirtschaft zur totalitären Bedrohung stilisieren ....

Die Wirtschaftswoche Nr.13/97
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Falken

Definition des Sozialismus laut Grundsatzerklärung der SJD - Die Falken

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  Sozialistische Jugend - Die Falken im Kreisverband Bad Doberan
  D-18209 Bad Doberan, Seestraße 13 (alt: Alexandrinenplatz 8)
  Telefon: +49 038203 62622, Fax: +49 038203 63664
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Stand: 05.07.2000   thomas@sjd-falken.de   ©